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BLUT
Sergi Belbel
in der Übersetzung von Klaus Laab

mit : Ulrike Dostal, Gabriele Graf, Julia Koschitz, 
Sara Sommerfeldt, Andreas Schirra, Ulrich Zentner

Regie: Helga Fleig
Dramaturgie: Petra Maria Grühn
Bühne: Ursula Beutler
Kostüme: Martin Kinzlmaier
Licht: Hans Peter Boden

Premiere: 15. Oktober 2003, 20 Uhr
weitere Vorstellungen:
16.-18. Oktober, 20 Uhr
22.-25. Oktober, 20 Uhr
29. Oktober-01. November, 20 Uhr
05.-08. November, 20 Uhr

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"Alle zehn Stunden schneiden wir ein Körperteil ab. Das erste ein Finger. Das zweite ein Ohr. Das dritte ein Fuß. Das vierte ein Kopf. Die ersten drei überlebt man leicht."

Die 'Organisation', die nach der Entführung einer Philosophieprofessorin diese Drohung ausspricht, macht ihrem Opfer gegenüber kei-nen Versuch, ihr zu verheimlichen, daß der Aufenthalt in dem dunklen Raum genau vierzig Stunden dauern wird. Und zwar unabhängig davon, ob ihr Mann - ein hochrangiger Politiker - der Lösegeldforderung nachkommen wird. Es geht um das öffentliche Gehör, das ein abgeschnittenes Ohr den politischen Forderungen der 'Organisation' verleihen wird. 

Die ganze Energie der Entführten richtet sich auf ein kleines Mädchen, das bei den Geisel-nehmern aufwächst. Eine Beziehung entsteht. In die Kälte des kalkulierten Todes fallen für Momente Ahnungen von Schuld. Etwa wenn das kleine Mädchen bedenkt: "Es ist nicht gut, wenn das Blut herausfließt, wir werden verrückt davon."

Das Ungeheure des Terrors zeigt Sergi Belbel in einer Mischung aus Drama und Farce, aus Horror und Poesie. Neben der klaustrophobischen Situation im Verließ der Entführer gibt es das Draußen: Ein Junge und ein Mädchen auf einer Parkbank. Erstes Kennenlernen. Sie fin-den das Päckchen mit dem Finger. Polizist und Polizistin in der Frühstückspause auf dem Re-vier. Man spricht über Familie, Kinder, Urlaub. Bei ihnen wird das Ohr abgegeben. Die Ge-liebte des Ehemanns im Gespräch mit einer Postbotin, die sich fragt was die schöne junge Dame wohl arbeitet, daß sie sich so ein großes Haus leisten kann. Die Postbotin überbringt das Paket mit dem Fuß.

Am Ende steht das kleine Mädchen im Blut der Entführten, tippt mit dem Finger sacht an das Blut: "Dieselbe Farbe. Dick und heiß wie das von Mama. Genauso, genau so. Derselbe Geschmack." BLUT, ein Stück des katalanischen Autors Sergi Belbel, gewährt keine Schonung. Sollte es eine romantische Verklärung des Terrorismus gegeben haben, so erstirbt hier jeglicher Anflug von "klammheimlicher" Freude.

SERGI BELBEL 1963 in Barcelona geboren. Universitätsstudium, romanische Philologie. Erste Theatererfahrungen vorallem in Zusam-menarbeit mit José Sanchis Sinisterra. Einrichtung von Bühnenstücken, Übersetzungen ins Katalanische, später auch Übersetzungen eigener und fremder Texte ins Spanische. Theaterinszenierungen, seit 1995 auch TV-Inszenierungen. Einer der wichtigsten katalanischen Dramatiker der Gegenwart. Stücke: In Gesellschaft von Abgrund, 1989 Spielwiese, zwei im Quadrat, 1990 Liebkosungen, 1992 Nach dem Regen 1993 Ein Augenblick vor dem Sterben, 1994 Das Blut 1999 (DE 2000, Nationaltheater Mannheim) Die Zeit der Plancks, 2002

Kritik:

"Die Welt ist ein Schlachthaus. Ursula Beutler hat für dieses literarisch mehrfach durchgekaute Metapher ein blutrotes Kachel-Eck in die Teamtheater Tankstelle gezwängt: Halb Badezimmer, halb Endstation Zelle: Das perfekte Ambiente für die Inszenierung von Sergi Belbels drastischen Schocker "Das Blut". Helga Fleig hat den Renner des Katalanen inszeniert und einen großen Publikumserfolg erspielt(...) Eindrucksvoll das ganze Ensemble des Teamtheaters. Alle sind präzise und gemein: Ulrike Dostal, Gabriele Graf, Julia Koschitz, Sara Sommerfeldt, Andreas Schirra, Ulrich Zentner." (ABENDZEITUNG)

"(...) ein mutiges, provozierendes Experiment eines kleinen Theaters."
(SÜDDEUTSCHE ZEITUNG) 

"DAS BLUT, ein zwischen Horror und Farce bleckender Entführungs-Schocker, von Helga Fleig punktgenau zur Münchner Erstaufführung gebracht. Ins Teamtheater hinein gekeilt eine blutrot gekachelte Kellerecke. Schlachtstätte. Die Entführte, unschuldig - es ist ihr Politiker-Gatte, der Dreck am Stecken hat - , erkennt im Wärter einen ihrer Philosophie-Studenten, verlangt vergeblich Aufklärung. Schon fürchtet man lähmende Opfer-Täter-Konfrontation und schwellende Mitleidsdrüsen. Nichts davon. Jede der folgenden Szenen scheint im Moment (fast surreal) autonom, fügt sich jedoch durch einen Überraschungsschwenk, als Puzzel ein in die "Blut" - Story: die junge Frau im Park und ihr Kapuzen-T-Shirt-Anmacher, die schwangere Polizistin und ihr Kollege bei Brotzeit und Bürotratsch, des Politikers außereheliche Bikini-Beauty, sie alle (jeweils Andreas Schirra und hinreißend wandlungsfähig Julia Koschitz) leben in ihrer Mini-Heile-Welt, putzig, miefig oder pseudo glitzrig - bis bei ihnen die Päckchen auftauchen: mit dem abgeschnittenen Finger, Ohr und Fuß der Geisel. Der Terror dringt überall hin. Das Lösegeld wird schließlich gezahlt, die Frau dennoch per Säge enthauptet. Große Leistung von Gabriele Graf, ohne Larmoyanz die Todesangst zu spielen, bis in die niederen biologischen (Angst-)Reaktionen. Realismus prall auf der Bühne (Ursula Beutler). Und doch weht ein Hauch von grausamem Märchen herein: mit Sara Sommerfeldt als schon elternlosem, rachelüsternem Terroristen-Kind, Metapher irregelaufener Ideologisierung." (MÜNCHNER MERKUR) 

"BLUT heißt der Schocker des katalanischen Autors Sergi Belbel, den Regisseurin Helga Fleig im Teamtheater als schwarz-humoriges Märchen der bösen Art inszenierte (Bühne: Ursula Beutler). Geschickt hält sie die makabre Story in einem atemberaubenden Wechsel zwischen Farce und Realismus, zwischen Ekel und Komik. Gabriele Graf spielt das Opfer unter Hochdruck, auch die anderen Darsteller - nuanciert Sara Sommerfeldt und Julia Koschitz, plakativ Ulrike Dostal, Ulrich Zentner und Andreas Schirra - halten die Spannung in der beeindruckenden Aufführung." (TZ)

 

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